Vorlesungs- und Lehrendenverzeichnis

SoSe 2020

Von Zwergen und Helden: Laurin und Walberan

Judith Klinger

PULS

Um die beiden Zwergenfürsten Laurin und Walberan rankt sich im späten 13. Jahrhundert eine zweiteilige Erzählung, die zur "aventiurehaften" Dietrichepik gerechnet wird. Anders als die "historische" Dichtung um Dietrich von Bern sind die aventiurehaften Dietrich-Texte durch Elemente des Wunderbaren und Abenteuerlichen, durch Fiktionalisierung und Einflüsse der höfischen Literatur geprägt. Im "Laurin", ergänzt um den "Walberan"-Teil, zeigt sich diese Umgestaltung der heldenepischen Gattung ebenso prägnant wie exemplarisch: Abenteuerlust führt Dietrich und seine Gefährten zum Rosengarten des Zwergenkönigs Laurin sowie in dessen unterirdisches Reich. Diese paradiesähnliche Sphäre eröffnet Blicke auf eine vollendet höfische (Zwergen-)Kultur, bietet aber auch magische Objekte sowie vielfältige Anlässe für Irritationen und Konflikte. So hat Laurin die adlige Künhilt – die Schwester Dietleibs, eines Dietrich-Gefährten – als seine Braut entführt. Als ihre Befreiung an der Überlegenheit zwergischer Magie zunächst scheitert, ergreift Künhilt selbst die Initiative zur Rettung. Am Ende ist Laurin seiner magischen Macht beraubt, lässt sich taufen und lebt als Dietrichs Freund an dessen Hof. Die Fortsetzung dieser Erzählung im "Walberan" eröffnet den Konflikt zwischen Helden und Zwergen erneut, indem Walberan, Laurins Verwandter, Dietrich den Krieg erklärt, der durch Laurins Vermittlung nach kurzem Kampf jedoch abgewendet werden kann.

Spannungsreich wird die Doppelerzählung durch die Kombination von heroisch-feudalen Konzepten und Verhaltensmustern — wie etwa Ehre, Treue, eskalierende Gewalt — mit den Vexierspielen der Magie, mythischen Versatzstücken und höfischem Glanz. Das Seminar konzentriert sich daher einerseits auf typische Phänomene des heldenepischen Erzählgenres und die Ambivalenzen ihrer Heroen, andererseits auf die Transformation der Gattung durch Abenteuerliches aus der fremdartigen Zwergenwelt. Insbesondere soll untersucht werden, wie "Laurin" und "Walberan" die mythische Aura des Zwergs und seiner magischen Potentiale für die Weiterentwicklung abenteuerlichen Erzählens im Spätmittelalter nutzen.

Bitte beachten Sie das Folgende für Ihre Semesterplanung: Unsere literaturwissenschaftlichen Seminare setzen auf einen kontinuierlichen Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden, aber auch unter den Studierenden und Arbeitsgruppen. Sie sind als Dialoge zur gemeinsamen Entwicklung von und Arbeit an Fragen der Textinterpretation angelegt und darin auch besonders produktiv. Wir bemühen uns um eine bestmögliche Übertragung dieses Dialogprinzips in digitale Formate, die sich zur Simulation eines offenen Austauschs aber nur begrenzt eignen. Daher beabsichtigen wir, die Seminare als Präsenzveranstaltungen fortzusetzen, so bald und soweit dies möglich ist. Ein Parallelangebot von Präsenz- und Online-Lehre lässt sich aus Kapazitätsgründen dann allerdings nicht realisieren. Bitte berücksichtigen Sie also bei der Belegung dieses Seminars, dass Sie bei einer Rückkehr zur Präsenzlehre auch regelmäßig am Seminar zum angekündigten Termin in Potsdam teilnehmen können müssten. In begründeten Härtefällen können wir selbstverständlich Ausnahmeregelungen vereinbaren.

Literatur

Textgrundlage: Laurin. Hrsg. von Hendrikje Hartung, Jan K. Hon, Florian Kragl und Ulf Timmermann. (Relectiones 4) Stuttgart: Hirzel 2016.
Eine Anschaffung der Textausgabe wird empfohlen, ist aber nicht verpflichtend. FĂĽr die SeminarlektĂĽre wird die mittelhochdeutsche Fassung von "Laurin" und "Walberan" zu Beginn des Semesters in Moodle digitalisiert zur VerfĂĽgung gestellt.

Leistungspunkterwerb

PrĂĽfungsversion 2011:
3 LP (LV): Teilnahme + Testat: kurze schriftliche Ausarbeitungen, Thesenpapiere, Vorbereitung und Umsetzung einer Seminarpräsentation
PrĂĽfungsversion 2014:
2 LP (unbenotet): Teilnahme + Testat: kurze schriftliche Ausarbeitungen, Thesenpapiere, Vorbereitung und Umsetzung einer Seminarpräsentation
3 LP: Hausarbeit, mündliches Prüfungsgespräch

Studiengänge und Module

LPSWSbenotet
B2 Germanistik 2011
  4031 
GM-LW3/Teil 1: Literaturen, Medien und Kulturen von 750-1500, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen
2
2
nein
  4035 
ModulprĂĽfung (Hausarbeit) in GM-LW2 oder GM-LW3, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (PrĂĽfung! Separat ĂĽber PULS zu buchen.)
3
0
ja
  4152 
Modulprüfung (Prüfungsgespräch), Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Prüfung! Separat über PULS zu buchen.)
3
0
ja
B2 Germanistik 2014
  250811 
Seminar: Literatur und Literaturgeschichte von 750 -1500, Aufbaumodul Literaturen, Medien und Kulturen (AM-LW2)
2
2
nein
  250801 
A: Prüfungsgespräch, Aufbaumodul Literaturen, Medien und Kulturen (AM-LW2) (Prüfung! Separat über PULS zu buchen.)
2
0
ja
  250802 
B: Hausarbeit , Aufbaumodul Literaturen, Medien und Kulturen (AM-LW2) (PrĂĽfung! Separat ĂĽber PULS zu buchen.)
2
0
ja
BL Deutsch 2011
  4031 
GM-LW3/Teil 1: Literaturen, Medien und Kulturen von 750-1500, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen
2
2
nein
  4035 
ModulprĂĽfung (Hausarbeit) in GM-LW2 oder GM-LW3 , Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (PrĂĽfung! Separat ĂĽber PULS zu buchen.)
3
0
ja
  4154 
Modulprüfung (Prüfungsgespräch), Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Prüfung! Separat über PULS zu buchen.)
3
0
ja
BL Deutsch 2013
  250811 
Seminar 1: Literaturen, Medien und Kulturen von 750 bis 1500, Aufbaumodul Literaturen, Medien und Kulturen (AM-LW2)
2
2
nein
  250801 
A: Prüfungsgespräch , Aufbaumodul Literaturen, Medien und Kulturen (AM-LW2) (Prüfung! Separat über PULS zu buchen.)
2
0
ja
  250802 
B: Hausarbeit , Aufbaumodul Literaturen, Medien und Kulturen (AM-LW2) (PrĂĽfung! Separat ĂĽber PULS zu buchen.)
2
0
ja

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Philosophische Fakultät
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam

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