Vorlesungs- und Lehrendenverzeichnis

SoSe 2013

Mu├če, Faulheit und M├╝├čiggang in der Literatur

Mirko Gemmel | Do 16 - 18 Uhr | Raum: 1.09.2.15 | Erste Veranstaltung: 11.04.2013

PULS

M├╝├čiggang und Faulheit werden vor allem in der Neuzeit mit Unproduktivit├Ąt gleichgesetzt und gesellschaftlich wie moralisch unter Bann gestellt industrielle Revolution und b├╝rgerlicher Geist sehen in ihnen nur eine Gefahr f├╝r den Fortschritt und das allgemeine Gl├╝ck. Die gewinnbringende Aktivit├Ąt und mit ihr die produktive Arbeit beginnen dagegen ihren Siegeszug in einer von Geld bestimmten Welt und werden zur herrschenden Ideologie, in der kein Platz ist f├╝r kontemplatives Leben. Obwohl schon der Theologe Thomas von Aquin vor acht Jahrhunderten die ├╝bertriebene Arbeitslust f├╝r eine Folge ungew├Âhnlicher Tr├Ągheit hielt, n├Ąmlich der Tr├Ągheit des Herzens, den im Menschen angelegten g├Âttlichen Gedanken zu entwickeln.
Wie es eine Tradition innerhalb der Literatur und der gesamten Geistesgeschichte gibt, in der die Notwendigkeit der harten Arbeit als menschliche Tugend betont wird, existiert daneben eine viel ├Ąltere Tradition quer durch alle Literaturgattungen, in der dem M├╝├čiggang und der Faulheit gehuldigt wird.
"Arbeit ist des B├╝rgers Zierde", hei├čt es zwar in Schillers Gedicht Lied von der Glocke und doch ging es Schiller um die Freiheit des Menschen, der jede Art (fremdbestimmter) Beschr├Ąnkung seines Daseins ├╝berwindet. Der B├╝rger sollte Mensch werden, eine freie Pers├Ânlichkeit, die sich am Ideal des Humanismus orientiert. Doch die industrielle Revolution ersetzte den Menschen durch den Arbeiter und n├Âtigte ihn zur Stetigkeit, Monotonie und Routine. Bei Schiller wird Ruhe und Sch├Ânheit zum Ausdruck idealer Humanit├Ąt, die der freie Mensch nur abseits entfremdeter Arbeit (ein Begriff, den Marx von Hegel adaptierte) finden kann. Erst in der Mu├če kann der Mensch im Augenblick jenes Bleibende entdecken, das sich in aller Zeit als Ideal verewigt.
Seit der Antike bedeutete M├╝├čiggang Freiheit, eine Freiheit, die die griechischen Philosophen im Sinn hatten, als sie jede Form der k├Ârperlichen Arbeit ablehnten, um frei zu sein f├╝r ein selbst bestimmtes, kontemplatives Leben, das sich zum Ziel die Vervollkommnung des eigenen verantwortungsbewussten Selbst, des wahren Mensch-Seins im Sinne einer aufgekl├Ąrten und humanistischen Philosophie setzte. Und bedeutete mehr noch Gl├╝ck und Lebenslust.
Das Seminar will dieser Tradition an ausgesuchten Beispielen, die bis heute in den verschiedensten Literaturgattungen und Figuren lebendig geblieben ist, nachforschen und untersuchen, welche Idee eines gl├╝cklichen Lebens sich hinter dem jeweiligen Konzept von M├╝├čiggang und Faulheit verbirgt und ob sich daraus ein utopischer Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Realit├Ąt ablesen l├Ąsst.

Literatur

Vorgesehen sind u.a. Texte von:
Friedrich Schiller, Georg B├╝chner, Friedrich Schlegel, Joseph von Eichendorff, Iwan Gontscharow, Paul Lafargue, Bertrand Russel, Heinrich B├Âll, Yusuf Atilgan und Thomas Mann

Leistungspunkterwerb

regelm├Ą├čige & aktive Teilnahme an den Seminardiskussionen
2LP (neu/Seminar): Kurzreferat
3LP (alt): Kurzreferat & ausgearbeitetes Thesenpapier oder Pr├╝fungsgespr├Ąch (15min)
3LP (neu/Pr├╝fungsleistung): HA oder Pr├╝fungsgespr├Ąch (20min)
4LP (alt): Referat & HA oder Pr├╝fungsgespr├Ąch (20min)

Studieng├Ąnge und Module

LPSWSbenotet
B2 Germanistik 2006
  1205 
GM-LW3/Teil 3: Literaturen, Medien und Kulturen von 1750 bis zur Gegenwart, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen
3
2
ja
  1206 
GM-LW3/Teil 3: Literaturen, Medien und Kulturen von 1750 bis zur Gegenwart, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen
4
2
ja
  1207 
Hausarbeit in GM-LW2 oder GM-LW3, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
0
0
nein
  2111 
Pr├╝fungsgespr├Ąch, Pr├╝fungsgespr├Ąche (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
0
0
nein
B2 Germanistik 2011
  4033 
GM-LW3/Teil 3: Literaturen, Medien und Kulturen von 1750 bis zur Gegenwart, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen
2
2
nein
  4034 
Modulpr├╝fung (Klausur) , Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
3
0
ja
  4035 
Modulpr├╝fung (Hausarbeit) in GM-LW2 oder GM-LW3, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
3
0
ja
  0 
Modulpr├╝fung (Projektarbeit), Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
3
0
ja
  4121 
Pr├╝fungsgespr├Ąch, Nachweis Pr├╝fungsgespr├Ąch (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
0
0
nein
BL Deutsch 2004
  1205 
GM-LW3/Teil 3: Literaturen, Medien und Kulturen von 1750 bis zur Gegenwart, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen
3
2
ja
  1206 
GM-LW3/Teil 3: Literaturen, Medien und Kulturen von 1750 bis zur Gegenwart, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen
4
2
ja
  1207 
Hausarbeit in GM-LW2 oder GM-LW3, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
0
0
nein
  2111 
Pr├╝fungsgespr├Ąch, Pr├╝fungsgespr├Ąche (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
0
0
nein
BL Deutsch 2011
  4033 
GM-LW3/Teil 3: Literaturen, Medien und Kulturen von 1750 bis zur Gegenwart, Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen
2
2
nein
  4034 
Modulpr├╝fung (Klausur), Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
3
0
ja
  4035 
Modulpr├╝fung (Hausarbeit) in GM-LW2 oder GM-LW3 , Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
3
0
ja
  0 
Modulpr├╝fung (Pr├╝fungsgespr├Ąch), Grundmodul Literaturen, Medien und Kulturen (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
3
0
ja
  4151 
Pr├╝fungsgespr├Ąch, Nachweis Pr├╝fungsgespr├Ąch (Pr├╝fung! Separat ├╝ber PULS zu buchen.)
0
0
nein

Kontakt

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Philosophische Fakultät
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam

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